Benjamin Dodenhoff M.A.: Eröffnungsrede „HETERONOMOUS“. Aachen, 03. Dezember 2015

[…] Auch die Arbeiten von Maks Dannecker gehen von der harten Realität aus, um dann Schritt für Schritt die ästhetischen Qualitäten ihrer Quellen zu offenbaren. Die Leinwandarbeit auf der linken Seite setzt sich aus zwei Fotografien zusammen. Die eine zeigt eine Gruppe von Gebäuden unter bleigrauem Himmel. Sie scheinen sich in eine schwarze Zone, eine verwunschene Vegetation hinein zu ducken. Im farbigen Kontrast dazu schiebt sich vom unteren Rand her eine vielfach spiegelnde Fläche nuancierter Blautöne in das Bild, die wie ein eisiger See vor der dunklen Zone zum Liegen kommt. Die Montage ist digital bearbeitet, Bewegungsunschärfen ziehen Schlieren über die Leinwand, die man für Pinselspuren halten könnte. Das Auge nimmt die starke horizontale Organisation der Bildfläche als Angebot wahr, sie als Komposition malerischer Farbfelder zu lesen. Bald wirken die Gebäude wie Störer oder Anker, die das Dargestellte an die Realität binden und davon abhalten, vollends in die Höhen der Abstraktion aufzusteigen.

Auf den rechten Bildtafeln gibt es keine Anker mehr. Sie zeigen pure Farbe. Dannecker ließ sich von einer App Vorschläge für besonders prägnante Farbwerte innerhalb der Fotoarbeit machen, von denen sie zwei auswählte. Die fest mit Plexiglas verschmolzenen Abzüge sind rein visuelle Ereignisse, auf denen der Blick wie über Eisflächen gleitet. Welche Bedeutung hat es, dass es sich immer noch um Fotografien handelt? Es sind Detailaufnahmen der linken Bildtafel, doch haben sie sich nicht längst vom fotografischen Motiv losgelöst um in ein ästhetisches Objekt mit eigenem Wirklichkeitsanspruch überzugehen? Auch sie vollziehen einen Akt der Befreiung. So wie sich bei Monika-Radhoff-Troll die Kunststoffstreifen von den Gebrauchsartikeln gelöst haben, emanzipieren sich bei Maks Dannecker die Farbwerte vom Naturvorbild. […]

© Benjamin Dodenhoff M.A.: Auszug aus der Eröffnungsrede “HETERONOMOUS, Maks Dannecker & Monika Radhoff-Troll“. Aha.KUNSTLABOR-Atelierhaus Aachen, Haus 1, Aachen. 03.12.2015